Amorsaal - Historie

Blick in Historie: Tanzerlaubnis von Besatzern und Tanzveranstaltungsverbot zu DDR-Zeiten - Rocklegenden lassen Saal beben

Die erste Erwähnung geht auf 1690 zurück. Da ist die Rede von einem Vierseithof mit sogenannter Beischänke. Später wurde das Gehöft nach seinem langjährigen Besitzer "Meyerscher Gasthof" benannt. 1922 ging dieser an Walter Meinold über.

1935 kam das Gastwirtsehepaar Fanny und Max Bruno Irmisch mit seiner Tochter Anneliese aus Hartenstein nach Niclas und übernahm den Gasthof, der da bereits "Amorsaal" hieß.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlugen erst die Amerikaner und dann die Russen ihr Quartier im Gasthof auf. Nachdem 1946 die Tanzerlaubnis von den Besatzern eingeholt worden war, ging es wieder los mit dem Tanz im "Amorsaal". Aber auch der Landfilm zog ein. Und Ende der 50er-Jahre gab es sogar eine Fernseh-Originalübertragung von der Friedensfahrt aus dem Gasthaus.

In den wilden 70ern wurden die Haare länger und die Röcke kürzer. Argwöhnisch von der Partei- und Staatsführung beobachtet, ließen Klaus Renft, die Stern-Combo Meißen, die Sputniks, die Klosterbrüder, die Modern-Soul-Band, Satori und viele andere Gruppen den Saal beben. Alle renommierten Bands gastierten hier.

1976 war erst einmal Schluss damit. Die Obrigkeit verhängte ein Tanzveranstaltungsverbot. Dieser Beschluss konnte aber nur gut zwei Monate aufrecht erhalten werden. Dann übernahmen der Jugendklub und die Betriebssportgemeinschaft "Traktor" pro forma die Veranstaltungsleitung, und die legendären Tanzveranstaltungen fanden wieder statt.

Auch die Disko-Musik zog ein. Und in den 1980er-Jahren gab es im "Mor" die ersten Breakdancer, die erste Erotikmodenschau und die erste Striptease in der Umgebung.

Ende 1989 hielt das Neue Forum Einzug und diskutierte mit den Leuten neue Wege. Die Wende, die D-Mark, Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit brachten einen Besucherrückgang. Der Gasthof stellte sich der neuen Zeit. Mit Erfolg. Bis heute ist er legendär, punktet mit guter deutscher Küche, aber auch weiter mit Tanzveranstaltungen, bei denen meist die Rocklegenden aus DDR-Zeiten spielen. Die Gäste von früher kommen immer noch, jetzt allerdings nicht selten mit ihren Kindern. 

 

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